Chlorid und Korrosion: Lochfraß, Salzeintrag und Flugrost vermeiden
Kurz gesagt
Chlorid ist der Hauptauslöser für Lochfraß an Edelstahl in Spülmaschinen. Es stammt aus dem Rohwasser, aus verschüttetem oder durch Regenerationsfehler eingetragenem Regeneriersalz, aus Speiseresten und aus chlorhaltigen Reinigern. Hohe Temperaturen, Beläge und Spalten verstärken den Angriff. Flugrost dagegen kommt meist von fremden Eisenteilen und lässt sich durch Aussortieren und Grundreinigung beseitigen.
Inhalt
Rostpunkte im Spülraum, an Körben oder auf Besteck sind ärgerlich und werden oft vorschnell dem Maschinenhersteller oder der Wasserqualität angelastet. In den meisten Fällen steckt eine erkennbare Ursache dahinter: Chlorid, das sich an der falschen Stelle anreichert, oder Fremdrost von Teilen, die nicht in die Maschine gehören. Diese Seite zeigt, wie Sie die Fälle unterscheiden und abstellen.
Warum Edelstahl überhaupt korrodiert
Spülmaschinen bestehen überwiegend aus austenitischem Chrom-Nickel-Stahl, häufig Werkstoff 1.4301, bei höher beanspruchten Teilen auch molybdänlegierte Sorten wie 1.4404. Geschützt sind sie durch eine nur wenige Nanometer dünne Passivschicht aus Chromoxid, die sich an Luft und im Wasser selbst erneuert.
Chloridionen können diese Schicht örtlich durchbrechen. An der Fehlstelle löst sich Metall auf, es entsteht ein kleines Loch, in dem sich die Bedingungen weiter verschärfen: Der pH-Wert sinkt, Chlorid reichert sich an, die Passivschicht kann sich nicht erneuern. Das ist Lochfraß. Er beginnt punktförmig und kann sich in die Tiefe fressen.
Was das Risiko erhöht
| Faktor | Wirkung | Typische Situation in der Spülküche |
|---|---|---|
| Hohe Chloridkonzentration | Passivschicht wird leichter durchbrochen | Verschüttetes Regeneriersalz, Sole im Spülraum, salzige Speisereste |
| Hohe Temperatur | Angriff wird deutlich schneller | Tank 55 bis 65 °C, Klarspülung 80 bis 85 °C |
| Beläge und Ablagerungen | Unter dem Belag fehlt Sauerstoff, Chlorid reichert sich an | Kalk, Stärke, Speisereste auf Tankboden und Sieben |
| Spalten | Spaltkorrosion durch stehende Lösung | Unter Dichtungen, Schweißnähte, Siebauflagen |
| Niedriger pH-Wert, Oxidationsmittel | Passivschicht wird geschwächt | Falsch angewendete saure Mittel, Überdosierung von chlorhaltigen Reinigern |
| Eintrocknung | Salze konzentrieren sich auf | Maschine über Nacht feucht und ungereinigt geschlossen |
Woher das Chlorid kommt
Rohwasser
Trinkwasser enthält Chlorid in sehr unterschiedlicher Menge. Die Trinkwasserverordnung nennt als Indikatorparameter 250 mg/l, die meisten Leitungswässer liegen weit darunter. Den Wert für Ihren Standort erfahren Sie beim Wasserversorger. Ein Enthärter verändert den Chloridgehalt nicht, eine Umkehrosmose senkt ihn deutlich.
Salzeintrag aus dem Enthärter
Der größte vermeidbare Chloridlieferant ist das Regeneriersalz. Typische Wege in den Spülraum:
- Verschüttetes Salz beim Nachfüllen: Bei Maschinen mit Salzbehälter im Spülraum fallen Körner auf Tankboden, Siebe oder Spülarme und lösen sich zu konzentrierter Sole.
- Undichter Salzbehälterdeckel: Eine verschlissene oder verschmutzte Dichtung lässt Sole austreten.
- Regenerationsfehler: Wird nach dem Besolen nicht ausreichend nachgespült, etwa durch ein hängendes Ventil, zu geringen Fließdruck oder einen Programmabbruch, gelangt salzhaltiges Wasser in Tank oder Boiler.
- Falsches Salz: Feines Salz bildet Brücken und Schlamm, die Regeneration läuft unregelmäßig.
Mehr zum Enthärter unter Enthärtung mit Ionenaustauscher.
Speisen und Chemie
Salzige Marinaden, Lake, Senf, Ketchup und Essig sind chloridreich oder sauer. Wenn Geschirr mit solchen Resten stundenlang im Korb wartet, entstehen an Besteck und Behältern Flecken, bevor die Maschine überhaupt läuft. Chlorhaltige Reiniger und Bleichmittel sind ein weiterer Chlorideintrag und wirken zusätzlich oxidierend.
Achtung: Mischen Sie niemals chlorhaltige Produkte mit sauren Entkalkern oder Reinigern. Dabei kann giftiges Chlorgas entstehen. Halten Sie sich an Sicherheitsdatenblatt und Betriebsanweisung, tragen Sie Schutzbrille und Handschuhe. Details unter Arbeitsschutz Spülchemie.
Flugrost: Rost, der nicht aus der Maschine stammt
Flugrost (Fremdrost) entsteht, wenn sich Eisenpartikel auf Edelstahl ablagern und dort oxidieren. Die Maschine selbst rostet dabei nicht, sie wird verschmutzt. Unbehandelt kann Flugrost aber unter sich Korrosion auslösen.
Typische Quellen:
- Nicht rostfreie Teile im Spülgut: Backbleche aus Stahl, Gusseisen, beschädigte Körbe mit abgeplatzter Beschichtung, alte Schneebesen, Dosenöffner
- Stahlwolle oder Stahlschwämme zum Vorreinigen
- Eisenpartikel aus alten verzinkten Hausleitungen nach Bauarbeiten oder Druckstößen
- Rostendes Besteck niederer Qualität, das Partikel an andere Teile abgibt
Für Besteck siehe auch Flugrost auf Besteck.
Diagnose: Symptom, Ursache, Maßnahme
| Symptom | Mögliche Ursache | Maßnahme |
|---|---|---|
| Rostpunkte am Tankboden nahe Salzeinfüllung | Verschüttetes Salz, undichter Deckel | Salz mit Trichter füllen, Spülraum ausspülen, Deckeldichtung prüfen |
| Weiße, salzige Krusten im Tank | Sole tritt aus, Regeneration fehlerhaft | Kundendienst, Fehlerspeicher Kategorie Enthärter bzw. Zulauf prüfen |
| Braune Punkte, abwischbar | Flugrost durch Fremdteile | Quelle aussortieren, Grundreinigung mit geeignetem Edelstahlreiniger |
| Punktförmige Vertiefungen nach Reinigung | Lochfraß | Ursache abstellen, Kundendienst beurteilen lassen |
| Rost an Messerklingen | Härtbarer Klingenstahl, lange Standzeit, Salz | Messer zeitnah spülen und trocknen, nicht über Nacht feucht lagern |
| Korrosion an Schweißnähten, unter Dichtungen | Spaltkorrosion, Beläge | Reinigung verbessern, Kundendienst |
| Rostflecken nach Einsatz chlorhaltiger Reiniger | Überdosierung, falsche Anwendung | Dosierung prüfen, Materialverträglichkeit beachten |
Rechenbeispiel: Wie viel Chlorid ein Esslöffel Salz bedeutet
Natriumchlorid besteht zu rund 61 Prozent aus Chlorid. Ein Esslöffel verschüttetes Regeneriersalz, etwa 15 g, enthält also rund 9 g Chlorid. Löst sich dieses Salz in einem Tank mit 40 l Inhalt vollständig, steigt der Chloridgehalt um etwa 9.000 mg ÷ 40 l = 225 mg/l. Bei einem Rohwasser mit 30 mg/l steigt er damit auf rund 255 mg/l, also auf mehr als das Achtfache. Lokal, dort wo das Korn liegt und sich auflöst, ist die Konzentration noch um ein Vielfaches höher. Genau dort beginnt Lochfraß.
Spülsignal-Einschätzung: Die meisten Korrosionsschäden in Spülmaschinen sind Betriebs- und keine Materialfehler. Bevor Sie über einen anderen Edelstahl oder eine teure Wasseraufbereitung nachdenken, prüfen Sie die drei häufigsten Ursachen: Salz beim Nachfüllen verschüttet, Fremdteile aus Eisen im Spülgut und Beläge, die abends nicht entfernt werden. Diese drei Punkte kosten nichts und beseitigen einen großen Teil der Fälle.
Vorbeugen: die tägliche Routine
- Regeneriersalz nur mit Trichter einfüllen, Reste sofort entfernen, danach Programm starten oder Spülraum ausspülen
- Deckel des Salzbehälters fest schließen, Dichtung regelmäßig sauber halten
- Nur rostfreies Spülgut einsetzen, beschädigte Körbe aussortieren
- Keine Stahlwolle zum Vorreinigen verwenden
- Besteck und Behälter mit salzigen oder sauren Resten zeitnah spülen
- Abends Tank entleeren, Siebe und Tank reinigen, Tür zum Trocknen offen lassen, siehe tägliche Reinigung
- Chlorhaltige Reiniger nur nach Herstellerangabe dosieren
Flugrost richtig entfernen
Flugrost sollte zeitnah entfernt werden, damit er keine Korrosion unter sich auslöst. Verwenden Sie einen für Edelstahl in Lebensmittelbereichen geeigneten Reiniger und ein weiches Tuch oder einen Kunststoffschwamm. Scheuern Sie nie mit Stahlwolle oder Drahtbürsten aus normalem Stahl, denn damit tragen Sie neue Eisenpartikel ein. Nach der Reinigung gründlich mit Wasser nachspülen und trocknen lassen, damit sich die Passivschicht neu bilden kann. Säurehaltige Rostentferner dürfen nur nach Herstellerangabe verwendet werden, nie gemischt mit chlorhaltigen Mitteln und immer mit Schutzbrille und Handschuhen. Für Besteck und Spülgut mit Belägen beschreibt die Seite Grundreinigung Spülgut das Vorgehen.
Wann selbst, wann Kundendienst?
Flugrost entfernen, Salzbehälter sauber halten, Spülgut aussortieren und die tägliche Reinigung verbessern können Sie selbst. Bei wiederkehrender Sole im Spülraum, Korrosion an Schweißnähten, Boiler oder Heizkörpern und bei sichtbarem Lochfraß sollte der Kundendienst die Ursache prüfen. Vor jedem Eingriff in den Spülraum: Maschine ausschalten, abkühlen lassen, Wasser zu.
Häufige Fragen
Rostet Edelstahl in der Spülmaschine wirklich?
Nichtrostender Stahl ist durch eine dünne Passivschicht aus Chromoxid geschützt. Chlorid kann diese Schicht örtlich durchbrechen, besonders bei hoher Temperatur und unter Belägen. Dann entsteht Lochfraß, der als kleine Rostpunkte mit Vertiefung sichtbar wird.
Wie unterscheide ich Flugrost von Lochfraß?
Flugrost liegt als brauner Belag oder Punkt auf der Oberfläche und lässt sich mit einem geeigneten Edelstahlpflegemittel meist entfernen, darunter ist das Metall glatt. Lochfraß hinterlässt nach dem Reinigen eine kleine, oft nadelstichartige Vertiefung. Bei Lochfraß ist das Material bereits geschädigt.
Warum rosten Messerklingen eher als Gabeln?
Messerklingen bestehen meist aus härtbarem Chromstahl mit weniger Chrom und ohne Nickel, damit sie schneidfähig bleiben. Dieser Stahl ist weniger korrosionsbeständig als der austenitische Stahl von Gabeln und Löffeln. Langes Liegen im Feuchten, Salz und Speisereste lösen an Messern zuerst Rostflecken aus.
Kann Leitungswasser allein Lochfraß in der Maschine verursachen?
Bei normalem Trinkwasser und richtigem Betrieb ist das selten. Problematisch wird es, wenn sich Chlorid örtlich anreichert, etwa durch Verdunsten unter Belägen, in Spalten oder durch Salzeintrag aus dem Enthärter. Ein hoher Chloridgehalt im Rohwasser erhöht das Grundrisiko.
Dieser Beitrag wurde nach unseren Redaktionsrichtlinien erstellt und geprüft. Er ersetzt nicht die Betriebsanleitung Ihrer Maschine und nicht den Fachbetrieb bei Arbeiten an Elektrik, Heizung oder Wasserinstallation. Änderungen dokumentieren wir unter Korrekturen und Aktualisierungen.
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