Leitfähigkeit messen: was µS/cm und TDS über Ihr Spülwasser verraten
Kurz gesagt
Die elektrische Leitfähigkeit in µS/cm zeigt, wie viele gelöste Salze im Wasser sind, und ist damit der beste Schnellindikator für Fleckenbildung auf Gläsern. Gemessen wird mit einem Handgerät mit Temperaturkompensation auf 25 °C. Der TDS-Wert in ppm ist eine Umrechnung daraus mit einem Faktor von etwa 0,5 bis 0,7. Härte, nichtionische Stoffe und einzelne Ionen wie Chlorid erfasst die Messung nicht gezielt.
Inhalt
Die Leitfähigkeitsmessung ist das schnellste Werkzeug, um die Wasserqualität für Gläser und Besteck zu beurteilen und eine Umkehrosmose oder Mischbettpatrone zu überwachen. Ein Handmessgerät kostet wenig, die Messung dauert Sekunden. Damit die Zahlen etwas aussagen, müssen Sie wissen, was gemessen wird und was nicht.
Was die Leitfähigkeit misst
Reines Wasser leitet elektrischen Strom kaum. Gelöste Salze zerfallen in Ionen, etwa Calcium, Natrium, Hydrogencarbonat, Chlorid und Sulfat, und diese Ionen transportieren Ladung. Je mehr Ionen, desto höher die Leitfähigkeit. Angegeben wird sie in Mikrosiemens pro Zentimeter (µS/cm), bei sehr salzreichem Wasser auch in mS/cm (1 mS/cm = 1.000 µS/cm).
Für die Spülmaschine ist das genau die richtige Größe: Was beim Abtrocknen der Klarspülung auf dem Glas zurückbleibt, sind die gelösten Salze. Die Leitfähigkeit ist deshalb ein guter Indikator für die Neigung zu Flecken und Schleiern, besser als die Härte allein.
Typische Werte
| Wasser | Leitfähigkeit (typisch, 25 °C) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Leitungswasser, weich | etwa 100 bis 300 µS/cm | Regional, z. B. aus Talsperren |
| Leitungswasser, mittel bis hart | etwa 400 bis 1.000 µS/cm | Weit verbreitet |
| Nach Enthärter | etwa wie Rohwasser | Härte entfernt, Salze bleiben |
| Nach Teilentsalzung | deutlich unter Rohwasser | Abhängig vom Karbonatanteil und Bypass |
| Permeat Umkehrosmose | etwa 10 bis 50 µS/cm | Abhängig von Rohwasser, Membran, Temperatur |
| Vollentsalzt (Mischbett frisch) | unter etwa 1 bis 5 µS/cm | Steigt zum Kapazitätsende an |
| Grenzwert TrinkwV (Indikator) | 2.790 µS/cm | Für Spülqualität nicht maßgeblich |
TDS: der umgerechnete Wert
Viele preiswerte Messgeräte zeigen TDS (Total Dissolved Solids, gesamte gelöste Feststoffe) in ppm bzw. mg/l. Gemessen wird trotzdem die Leitfähigkeit. Das Gerät multipliziert sie mit einem festen Faktor, typischerweise zwischen etwa 0,5 und 0,7. Welcher Faktor eingestellt ist, steht in der Bedienungsanleitung.
Rechenbeispiel: Ihr Gerät zeigt 300 ppm TDS und rechnet mit Faktor 0,5. Die Leitfähigkeit beträgt also etwa 300 ÷ 0,5 = 600 µS/cm. Ein Gerät mit Faktor 0,7 würde bei derselben Probe etwa 420 ppm anzeigen. Beide Geräte messen dasselbe Wasser, die Anzeige unterscheidet sich nur durch den Faktor.
Praxistipp: Notieren und kommunizieren Sie immer µS/cm, nicht ppm. Mit Kundendienst, Anlagenbauer und Chemielieferant reden Sie dann über dieselbe Zahl. Falls Ihr Gerät nur TDS anzeigt, rechnen Sie mit dem Gerätefaktor zurück.
Temperaturkompensation
Die Leitfähigkeit steigt mit der Temperatur, grob um etwa 2 Prozent je Kelvin. Eine Probe bei 15 °C zeigt deshalb deutlich weniger als dieselbe Probe bei 25 °C. Gute Messgeräte kompensieren automatisch auf eine Bezugstemperatur, meist 25 °C. Prüfen Sie, ob Ihr Gerät das tut, und messen Sie möglichst immer bei ähnlicher Temperatur. Messen Sie niemals direkt heißes Wasser aus Boiler oder Tank, wenn das Gerät dafür nicht ausgelegt ist.
Messung Schritt für Schritt
- Gerät prüfen. Elektrode sauber, Batterie ausreichend, letzte Kalibrierung nicht zu lange her.
- Messstelle wählen. Rohwasser vor der Aufbereitung und aufbereitetes Wasser direkt hinter Patrone oder Anlage, jeweils einige Sekunden ablaufen lassen.
- Sauberes Gefäß verwenden. Gefäß zweimal mit dem Probenwasser ausspülen, Reste von Spülmittel oder anderem Wasser verfälschen den Wert stark.
- Messen. Elektrode eintauchen, leicht bewegen, warten, bis der Wert stabil ist.
- Auswerten. Wert mit Temperatur notieren, Rückhalt bzw. Reduktion berechnen.
- Elektrode reinigen. Mit VE-Wasser abspülen, trocken oder nach Herstellerangabe lagern.
Rechenbeispiel: Rückhalt einer Osmose prüfen
Rohwasser 620 µS/cm, Permeat 25 µS/cm. Rückhalt = 1 minus (25 ÷ 620) = 1 minus 0,04 = 0,96, also etwa 96 Prozent. Drei Monate später: Rohwasser 610 µS/cm, Permeat 70 µS/cm. Rückhalt jetzt etwa 89 Prozent. Der Abfall ist ein klares Signal: Vorenthärtung, Vorfilter und Membran prüfen lassen, bevor die Gläser sichtbar schlechter werden.
Zusammenhang zwischen Salzen und Leitfähigkeit
Nicht jedes Ion trägt gleich viel zur Leitfähigkeit bei. Kleine, gut bewegliche Ionen wie Chlorid leiten pro Milligramm besser als größere wie Hydrogencarbonat oder Sulfat. Deshalb lässt sich aus der Leitfähigkeit nur näherungsweise auf den Salzgehalt in mg/l schließen. Für die Praxis reicht das: Steigt die Leitfähigkeit, steigt auch die Menge an Rückständen, die beim Abtrocknen auf Glas und Besteck bleibt.
Wichtig für die Interpretation der einzelnen Aufbereitungsverfahren:
- Enthärter: Ein Calciumion wird gegen zwei Natriumionen getauscht. Die Leitfähigkeit bleibt praktisch gleich oder steigt minimal.
- Teilentsalzung: Hydrogencarbonat wird zu Kohlendioxid und Wasser, das Gas trägt kaum zur Leitfähigkeit bei. Die Leitfähigkeit sinkt etwa im Verhältnis zum Anteil der Karbonathärte.
- Umkehrosmose und Mischbett: Fast alle Ionen werden entfernt, die Leitfähigkeit fällt entsprechend stark.
Eingriffswerte festlegen
Eine Messung ist nur nützlich, wenn vorher feststeht, ab welchem Wert gehandelt wird. Legen Sie mit Ihrem Anlagenlieferanten betriebsinterne Eingriffswerte fest und hängen Sie sie neben die Anlage. Ein mögliches Schema als Beispiel:
| Anlage | Normalbetrieb (Beispiel) | Beobachten | Handeln |
|---|---|---|---|
| Umkehrosmose | Rückhalt über etwa 95 % | Rückhalt sinkt um mehrere Prozentpunkte | Vorfilter, Vorenthärter und Membran prüfen lassen |
| Mischbettpatrone | unter etwa 5 µS/cm | Anstieg auf etwa 10 µS/cm | Bei festgelegtem Grenzwert tauschen |
| Teilentsalzung | Deutlich unter Rohwasser | Annäherung an den Rohwasserwert | Karbonathärte messen, Patrone tauschen |
Die Zahlen sind Beispiele. Maßgeblich sind die Angaben von Maschinen- und Anlagenhersteller.
Grenzen der Methode
| Was Sie wissen wollen | Zeigt die Leitfähigkeit das? | Besser geeignet |
|---|---|---|
| Gesamter Salzgehalt | Ja, als Summenwert | Leitfähigkeit |
| Wasserhärte | Nein, nur sehr grob bei unbehandeltem Wasser | Tropftest Gesamthärte |
| Funktion eines Enthärters | Nein, Leitfähigkeit bleibt gleich | Tropftest oder Teststreifen hinter dem Enthärter |
| Chloridgehalt | Nein, nur Summe aller Ionen | Chlorid-Test oder Analyse des Versorgers |
| Kieselsäure, organische Stoffe | Kaum, da wenig oder nicht ionisch | Laboranalyse |
| Reinigerkonzentration im Tank | Bedingt, bei manchen Dosiersystemen genutzt | Herstellerverfahren, Titration |
| Hygienischer Zustand | Nein | Mikrobiologische Untersuchung |
Spülsignal-Einschätzung: Wer nur eine einzige Messgröße für Gläserqualität nutzen will, sollte die Leitfähigkeit nehmen, nicht die Härte. Der klassische Fehler: Ein Enthärter liefert 0 °dH, der Teststreifen ist zufrieden, und trotzdem sind die Gläser fleckig. Die Leitfähigkeit hätte sofort gezeigt, dass das Wasser genauso salzhaltig ist wie vorher. Umgekehrt ersetzt sie nie den Härtetest, wenn es um Kalk in Boiler und Heizung geht. Beide Messungen gehören zusammen.
Messgeräte und Kosten
| Gerätetyp | Einsatz | Preis (Stand 2026, grob) |
|---|---|---|
| TDS-Stift, einfach | Grobe Orientierung, Osmose-Kontrolle | etwa 10 bis 40 € |
| Leitfähigkeits-Handgerät mit Temperaturkompensation | Haustechnik, Service, regelmäßige Kontrolle | etwa 50 bis 250 € |
| Fest installierte Messzelle mit Anzeige | Osmose- und VE-Anlagen, Grenzwertalarm | Oft im Anlagenpreis, nachgerüstet etwa 150 bis 500 € |
- Messgerät mit Temperaturkompensation auf 25 °C
- Kalibrierlösung im passenden Messbereich vorhanden
- Rohwasser und aufbereitetes Wasser regelmäßig gemessen und notiert
- Wechselgrenzwert für Patronen bzw. Alarmwert für Osmose festgelegt
- Härte zusätzlich per Tropftest geprüft, siehe Wasserhärte
Häufige Fragen
Welche Leitfähigkeit ist für Gläserspülen gut?
Je niedriger, desto weniger Rückstände bleiben beim Abtrocknen. Leitungswasser liegt oft bei etwa 300 bis 800 µS/cm, Osmosewasser meist bei etwa 10 bis 50 µS/cm. Für weitgehend fleckenfreie Gläser ohne Polieren wird häufig ein Wert im zweistelligen Bereich angestrebt, die Herstellerempfehlung Ihrer Maschine hat Vorrang.
Kann ich aus der Leitfähigkeit die Wasserhärte berechnen?
Nur sehr grob und nur für typische, kalkgeprägte Wässer. Die Leitfähigkeit erfasst alle Ionen, auch Natrium, Chlorid und Sulfat, die nicht zur Härte zählen. Hinter einem Enthärter ist die Härte null, die Leitfähigkeit aber unverändert. Für die Härte brauchen Sie einen Tropftest.
Warum zeigt mein TDS-Messgerät andere Werte als das Messgerät des Technikers?
TDS-Geräte rechnen die gemessene Leitfähigkeit mit einem festen Faktor in ppm um, und dieser Faktor unterscheidet sich je nach Hersteller. Vergleichen Sie deshalb immer die Leitfähigkeit in µS/cm. Außerdem können Kalibrierung und Temperaturkompensation abweichen.
Wie oft muss ein Leitfähigkeitsmessgerät kalibriert werden?
Bei Handgeräten im Gastronomiealltag ist eine Prüfung mit Kalibrierlösung etwa alle ein bis drei Monate sinnvoll, bei fest installierten Messzellen nach Herstellerangabe. Verwenden Sie eine Kalibrierlösung in der Nähe Ihres Messbereichs. Elektroden müssen sauber und frei von Belägen sein.
Gibt es einen gesetzlichen Grenzwert für die Leitfähigkeit von Trinkwasser?
Die Trinkwasserverordnung führt die elektrische Leitfähigkeit als Indikatorparameter mit 2.790 µS/cm bei 25 °C. Normales Leitungswasser liegt weit darunter. Für die Spülmaschine ist der Grenzwert nicht relevant, dort zählen deutlich niedrigere Werte.
Dieser Beitrag wurde nach unseren Redaktionsrichtlinien erstellt und geprüft. Er ersetzt nicht die Betriebsanleitung Ihrer Maschine und nicht den Fachbetrieb bei Arbeiten an Elektrik, Heizung oder Wasserinstallation. Änderungen dokumentieren wir unter Korrekturen und Aktualisierungen.
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