Wasserhärte in der Gastronomie: Gesamthärte, Karbonathärte und Einheiten verstehen

Von der Redaktion SpülsignalAktualisiert am 6 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Für die gewerbliche Spülmaschine brauchen Sie zwei Werte: die Gesamthärte (alle Calcium- und Magnesiumsalze) und die Karbonathärte (der Anteil, der beim Erhitzen als Kalk ausfällt). Die Gesamthärte bestimmt die Einstellung eines Enthärters, die Karbonathärte die Auslegung einer Teilentsalzungspatrone. Werte erhalten Sie vom Wasserversorger oder messen sie selbst per Tropftest; 1 mmol/l entspricht 5,6 °dH.

Inhalt
  1. Gesamthärte und Karbonathärte: der Unterschied
  2. Einheiten: °dH, mmol/l, °fH und ppm umrechnen
  3. Härtebereiche nach Wasch- und Reinigungsmittelgesetz
  4. Wo Sie verlässliche Werte bekommen
  5. Welche Werte die Maschine braucht
  6. Typische Folgen falscher Härteangaben

Kalk ist die häufigste Ursache für weiße Beläge, verkalkte Heizstäbe und verstopfte Klarspüldüsen in gewerblichen Spülmaschinen. Ob und wie stark Ihr Wasser kalkt, hängt von zwei Kennzahlen ab, die oft verwechselt werden. Diese Seite erklärt Gesamthärte und Karbonathärte, die gebräuchlichen Einheiten und wie Sie verlässliche Werte für Ihren Standort bekommen.

Gesamthärte und Karbonathärte: der Unterschied

Die Gesamthärte (GH) ist die Summe aller gelösten Calcium- und Magnesiumionen im Wasser, unabhängig davon, mit welchem Gegenion sie vorliegen. Sie ist die Größe, die ein klassischer Enthärter mit Ionenaustauscher entfernen muss.

Die Karbonathärte (KH) ist der Teil der Härte, der an Hydrogencarbonat gebunden ist. Genau dieser Anteil fällt beim Erhitzen als Calciumcarbonat aus: Hydrogencarbonat zerfällt in Carbonat, Wasser und Kohlendioxid, das Carbonat verbindet sich mit Calcium zu festem Kalk. Deshalb heißt die Karbonathärte auch „vorübergehende Härte“. Sie ist die Größe, nach der eine Teilentsalzungspatrone ausgelegt wird.

Die Nichtkarbonathärte (bleibende Härte) ist die Differenz: Calcium und Magnesium, die an Sulfat, Chlorid oder Nitrat gebunden sind. Sie fällt beim Erhitzen nicht sofort aus, hinterlässt aber beim Eintrocknen auf Gläsern und Besteck ebenfalls Rückstände.

KennzahlWas sie beschreibtWirkung in der SpülmaschineRelevant für
Gesamthärte (GH)Alle Calcium- und MagnesiumionenKalk, Trocknungsflecken, schlechtere ReinigerwirkungEinstellung Enthärter, Härteangabe in der Steuerung
Karbonathärte (KH)An Hydrogencarbonat gebundene HärteKalkstein in Boiler, Tank, Düsen bei 60 bis 85 °CAuslegung Teilentsalzung, Patronenwechsel
NichtkarbonathärteGH minus KH (Sulfat-, Chloridhärte)Eintrocknungsrückstände, SchlierenEntscheidung Teil- oder Vollentsalzung
LeitfähigkeitAlle gelösten Salze, nicht nur HärteFleckenbildung auf GläsernUmkehrosmose, Vollentsalzung, Messung

Ein Sonderfall: In manchen Wässern ist rechnerisch mehr Hydrogencarbonat vorhanden, als Calcium und Magnesium es binden könnten, etwa durch natürliches Natriumhydrogencarbonat. Dann ist die Karbonathärte formal höher als die Gesamthärte. Für die Kalkbildung zählt in diesem Fall höchstens die Gesamthärte, man setzt KH gleich GH.

Einheiten: °dH, mmol/l, °fH und ppm umrechnen

In Deutschland ist das Grad deutscher Härte (°dH) im Sprachgebrauch und in vielen Maschinensteuerungen üblich. Amtlich und in Laborberichten steht meist mmol/l. Ausländische Hersteller und Patronenanbieter nutzen teils französische Grad (°fH) oder ppm als CaCO3. Die Umrechnung ist einfach, solange Sie die Bezugsgröße kennen.

EinheitEntspricht 1 °dHEntspricht 1 mmol/lHinweis
°dH (deutsche Härte)15,61 °dH entspricht 10 mg/l Calciumoxid
mmol/l (Erdalkaliionen)0,1781Amtliche Einheit, Grundlage der Härtebereiche
°fH (französische Härte)1,7810Häufig in Unterlagen aus Frankreich, Schweiz
ppm bzw. mg/l CaCO317,8100Häufig bei US-Herstellern, Teststreifen
°e (englische Härte)1,257,0Selten, ältere britische Unterlagen

Rechenbeispiel Umrechnung: Ihr Laborbericht nennt 2,9 mmol/l Gesamthärte. Multipliziert mit 5,6 ergibt das etwa 16,2 °dH. Ein Teststreifen eines US-Anbieters zeigt dieselbe Probe als „etwa 290 ppm“, geteilt durch 17,8 sind das wieder rund 16,3 °dH. Die Werte passen zusammen.

Die Karbonathärte wird im Labor oft indirekt als Säurekapazität bis pH 4,3 (KS4,3) in mmol/l angegeben. Näherungsweise gilt: Karbonathärte in °dH etwa gleich KS4,3 mal 2,8. Beispiel: KS4,3 = 4,5 mmol/l ergibt rund 12,6 °dH Karbonathärte.

Härtebereiche nach Wasch- und Reinigungsmittelgesetz

Wasserversorger müssen den Härtebereich ihres Wassers veröffentlichen. Die Einteilung stammt aus dem Wasch- und Reinigungsmittelgesetz und dient ursprünglich der Dosierempfehlung für Waschmittel.

Härtebereichmmol/l CaCO3°dH (ungefähr)Bedeutung für die Spülmaschine
weichunter 1,5unter 8,4Für Klarspülung bei 80 bis 85 °C oft trotzdem zu hart, Herstellergrenze prüfen
mittel1,5 bis 2,58,4 bis 14Enthärtung oder Teilentsalzung praktisch immer nötig
hartüber 2,5über 14Ohne Aufbereitung schnelle Verkalkung von Boiler und Düsen

Der Härtebereich ist für die Spülküche zu grob. Zwischen 8,4 und 14 °dH liegt fast der Faktor zwei, und die Karbonathärte steht gar nicht darin. Für die Einstellung von Maschine und Aufbereitung brauchen Sie den konkreten Messwert.

Spülsignal-Einschätzung: Der häufigste Denkfehler in der Praxis ist „Wir haben weiches Wasser, also brauchen wir nichts“. Die Härtebereiche wurden für Waschmittel bei Haushaltstemperaturen geschaffen. Ein Boiler, der Wasser Spülgang für Spülgang auf 80 bis 85 °C bringt, fällt die Karbonathärte nahezu vollständig aus, und auch 6 °dH ergeben bei 1.000 Litern am Tag über ein Jahr eine beachtliche Kalkmenge. Entscheidend ist nicht der Härtebereich, sondern der Grenzwert in der Installationsanleitung Ihrer Maschine und der Anspruch an das Spülergebnis.

Wo Sie verlässliche Werte bekommen

Wasserversorger

Der örtliche Versorger veröffentlicht Analysewerte meist auf seiner Website oder schickt sie auf Anfrage. Fragen Sie gezielt nach Gesamthärte in °dH oder mmol/l, Karbonathärte bzw. Säurekapazität KS4,3, Chlorid, elektrischer Leitfähigkeit und Schwankungsbreite über das Jahr. Wenn Ihr Versorgungsgebiet aus mehreren Wasserwerken gespeist wird, lassen Sie sich die Zone Ihrer Adresse nennen.

Teststreifen

Teststreifen tauchen Sie kurz ein und vergleichen die Farbe mit einer Skala. Sie sind schnell und billig, liefern aber nur Stufen. Für eine erste Einordnung und zur Kontrolle, ob ein Enthärter überhaupt noch arbeitet, reichen sie.

Tropftest (Titration)

Beim Tropftest geben Sie Indikatorlösung tropfenweise in eine abgemessene Wasserprobe, bis die Farbe umschlägt. Die Zahl der Tropfen entspricht direkt der Härte in °dH. Es gibt getrennte Tests für Gesamthärte und Karbonathärte. Für Servicetechniker und Haustechnik ist dieser Test das Standardwerkzeug.

  1. Probe nehmen. Kaltwasser direkt am Zulauf der Maschine oder am nächstgelegenen Hahn einige Sekunden laufen lassen, dann das Messgefäß bis zur Markierung füllen.
  2. Gesamthärte messen. Reagenz tropfenweise zugeben, nach jedem Tropfen schwenken, Tropfen zählen bis zum Farbumschlag.
  3. Karbonathärte messen. Neue Probe, Karbonathärte-Reagenz verwenden, ebenso zählen.
  4. Hinter der Aufbereitung messen. Probe nach Enthärter oder Patrone nehmen, um Resthärte und Funktion zu prüfen.
  5. Dokumentieren. Datum, Messstelle, beide Werte notieren. So erkennen Sie Schwankungen und einen erschöpften Enthärter früh.

Praxistipp: Messen Sie immer zweimal: einmal das Rohwasser, einmal hinter der Aufbereitung. Nur die Differenz zeigt, ob Ihr Enthärter oder Ihre Patrone noch arbeitet. Viele Fälle von „plötzlich weißen Gläsern“ sind schlicht eine erschöpfte Patrone.

Welche Werte die Maschine braucht

Moderne Maschinen mit integriertem Enthärter fragen in der Inbetriebnahme die Gesamthärte des Rohwassers ab und berechnen daraus das Regenerationsintervall. Ist dort ein zu niedriger Wert eingetragen, regeneriert die Maschine zu selten und liefert zeitweise hartes Wasser. Ist er zu hoch, verbraucht sie unnötig Salz und Wasser.

Für Patronen mit Teilentsalzung wird dagegen die Karbonathärte eingestellt, meist an einem Wasserzähler oder Kapazitätsmonitor am Patronenkopf. Die Gesamthärte spielt dort eine Nebenrolle.

Rechenbeispiel: Kalkfracht pro Jahr

Beispiel: Eine Haubenspülmaschine verbraucht etwa 2,5 l Klarspülwasser pro Spülgang, 250 Spülgänge pro Tag, 300 Betriebstage. Das sind 2,5 × 250 × 300 = 187.500 l pro Jahr. Bei 12 °dH Karbonathärte entspricht jedes °dH etwa 17,8 mg Calciumcarbonat pro Liter, also rund 214 mg/l. Theoretisch können damit 187.500 × 0,214 g, also rund 40 kg Kalk pro Jahr anfallen. Nicht alles setzt sich in der Maschine ab, aber selbst ein Bruchteil davon reicht, um einen Boiler-Heizkörper deutlich zu isolieren und die Klarspülleistung zu senken.

Typische Folgen falscher Härteangaben

SymptomMögliche UrsacheMaßnahme
Weiße Beläge auf Geschirr und im TankHärte zu niedrig eingestellt, Enthärter erschöpftRohwasser und Weichwasser messen, Einstellung korrigieren, siehe Kalkflecken
Klarspültemperatur wird langsam erreichtVerkalkter Boiler-HeizkörperHärte prüfen, Entkalkung durch Fachbetrieb
Hoher SalzverbrauchHärte zu hoch eingestelltRohwasserhärte messen und Einstellung anpassen
Patrone schon nach kurzer Zeit erschöpftKarbonathärte unterschätzt, Bypass falschKH neu messen, Kapazität nachrechnen
Gläser fleckig trotz EnthärterHoher Salzgehalt, nicht die HärteLeitfähigkeit messen, Teilentsalzung oder Osmose prüfen
  • Gesamthärte und Karbonathärte des Rohwassers bekannt (Versorger oder eigene Messung)
  • Werte in die Einheit der Maschinensteuerung umgerechnet
  • Schwankungsbreite erfragt, Einstellung auf den höheren Wert ausgelegt
  • Resthärte hinter der Aufbereitung gemessen
  • Messung mindestens zwei- bis viermal pro Jahr wiederholt und dokumentiert

Welches Verfahren zu Ihren Werten passt, zeigt die Entscheidungshilfe zur Wasseraufbereitung. Für eine schnelle Kapazitätsrechnung nutzen Sie den Wasseraufbereitungs-Rechner.

Häufige Fragen

Ab welcher Wasserhärte braucht eine gewerbliche Spülmaschine einen Enthärter?

Viele Hersteller empfehlen eine Enthärtung bereits ab etwa 3 bis 6 °dH Gesamthärte, weil Boiler und Klarspülung mit 80 bis 85 °C besonders kalkanfällig sind. Die genaue Grenze steht in der Installationsanleitung Ihrer Maschine. In den meisten Regionen Deutschlands liegt das Leitungswasser darüber, eine Aufbereitung ist also fast immer sinnvoll.

Was bedeutet Härtebereich mittel auf der Rechnung des Wasserversorgers?

Der Härtebereich mittel nach Wasch- und Reinigungsmittelgesetz umfasst 1,5 bis 2,5 mmol/l Calciumcarbonat, das sind etwa 8,4 bis 14 °dH. Für die Einstellung einer Spülmaschine ist diese Spanne zu grob. Fragen Sie beim Versorger den konkreten Messwert in °dH und die Karbonathärte nach.

Kann die Karbonathärte höher sein als die Gesamthärte?

Rechnerisch ja, wenn das Wasser viel Natriumhydrogencarbonat enthält, etwa bei manchen Mineral- oder Brunnenwässern. Für die Kalkbildung zählt dann aber höchstens die Gesamthärte, denn ohne Calcium und Magnesium kann kein Kalk ausfallen. In der Praxis setzt man die Karbonathärte in diesem Fall gleich der Gesamthärte.

Wie genau sind Teststreifen für die Wasserhärte?

Teststreifen liefern nur Stufen, typischerweise in Schritten von mehreren °dH, und sind für eine Grobeinordnung geeignet. Für die Einstellung eines Enthärters oder die Berechnung einer Patronenkapazität ist ein Tropftest mit Zählung auf 1 °dH genauer. Achten Sie auf das Haltbarkeitsdatum, alte Reagenzien verfälschen das Ergebnis.

Schwankt die Wasserhärte im Jahresverlauf?

Ja, wenn der Versorger Wasser aus mehreren Quellen mischt oder die Gewinnung saisonal umstellt. Fragen Sie nach der Schwankungsbreite und legen Sie die Einstellung auf den höheren Wert aus. Eine Kontrollmessung zwei- bis viermal pro Jahr ist eine sinnvolle Routine.

Dieser Beitrag wurde nach unseren Redaktionsrichtlinien erstellt und geprüft. Er ersetzt nicht die Betriebsanleitung Ihrer Maschine und nicht den Fachbetrieb bei Arbeiten an Elektrik, Heizung oder Wasserinstallation. Änderungen dokumentieren wir unter Korrekturen und Aktualisierungen.

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