Dosierung einstellen: Reiniger und Klarspüler messen, berechnen und prüfen

Von der Redaktion SpülsignalAktualisiert am 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Die richtige Dosierung ergibt sich aus der Herstellerangabe in ml pro Liter und der Klarspülmenge Ihrer Maschine: Klarspülmenge mal Konzentration ergibt die Nachdosierung pro Spülgang. Ob die Maschine tatsächlich so viel fördert, prüfen Sie durch Auslitern mit einem Messzylinder, die Konzentration im Tank per Titration mit dem Testset des Lieferanten oder über eine Leitfähigkeitsmessung. Stellen Sie in kleinen Schritten ein und bewerten Sie das Ergebnis erst nach mehreren Spülgängen.

Inhalt
  1. Sollwert berechnen
  2. Einstellung an der Maschine
  3. Drei Prüfmethoden im Vergleich
  4. Diagnose: Messwert passt nicht
  5. Checkliste für die Dokumentation
  6. Wann selbst, wann Kundendienst oder Lieferant?
  7. Typische Denkfehler beim Einstellen

Eine falsch eingestellte Dosierung kostet doppelt: Zu wenig Chemie führt zu Nachspülen und Hygieneproblemen, zu viel Chemie zu Schaum, Materialschäden und unnötigen Kosten. Diese Seite zeigt, wie Sie den Sollwert berechnen, die Einstellung an der Maschine vornehmen und mit einfachen Methoden prüfen, ob tatsächlich das ankommt, was eingestellt ist.

Sollwert berechnen

Ausgangspunkt ist immer das technische Merkblatt des Produkts. Dort steht die empfohlene Konzentration, meist in ml pro Liter, oft als Spanne für weiches und hartes Wasser bzw. leichte und starke Verschmutzung. Als grobe Richtwerte gelten für Flüssigreiniger häufig etwa 1 bis 3 ml/l und für Klarspüler etwa 0,1 bis 0,5 ml/l. Maßgeblich ist die Herstellerangabe.

Aus dem Datenblatt Ihrer Maschine brauchen Sie zwei Werte: den Tankinhalt und die Klarspülmenge pro Spülgang. Dann gilt:

  • Erstbefüllung Reiniger = Tankinhalt in l x Konzentration in ml/l
  • Nachdosierung Reiniger pro Spülgang = Klarspülmenge in l x Konzentration in ml/l
  • Klarspüler pro Spülgang = Klarspülmenge in l x Klarspülerkonzentration in ml/l

Rechenbeispiel

Beispiel: Untertischmaschine, Tankinhalt 12 l, Klarspülmenge 2,4 l. Reiniger laut Merkblatt 2,5 ml/l bei Ihrer Wasserhärte, Klarspüler 0,3 ml/l.

GrößeRechnungErgebnis
Erstbefüllung Reiniger12 l x 2,5 ml/l30 ml
Nachdosierung Reiniger pro Spülgang2,4 l x 2,5 ml/l6 ml
Klarspüler pro Spülgang2,4 l x 0,3 ml/l0,72 ml
Pumpenlaufzeit Reiniger bei 0,4 ml/s6 ml : 0,4 ml/s15 s
Tagesverbrauch Reiniger bei 120 Spülgängen, 1 Tankfüllung30 ml + 120 x 6 ml750 ml

Die Pumpenleistung ist ein Beispielwert. Die reale Förderleistung Ihrer Pumpe ermitteln Sie durch Auslitern. Für eigene Zahlen hilft der Dosierrechner.

Einstellung an der Maschine

Wie Sie die Dosierung verändern, hängt vom System ab:

  • Service- oder Parametermenü: Bei vielen modernen Maschinen werden Laufzeit oder Menge in ml im Menü eingegeben, oft mit Code geschützt.
  • Potentiometer an der Pumpe: Bei älteren oder einfachen Geräten bestimmt ein Drehregler die Laufzeit.
  • Externes Dosiergerät: Eigene Bedienung, meist vom Chemielieferanten eingerichtet.
  • Leitfähigkeitsregelung: Eingestellt wird ein Sollwert in mS/cm, nicht eine Menge.

Welche Ebene Sie selbst bedienen dürfen, steht in der Bedienungsanleitung. Einstellungen jenseits der Bedienebene überlassen Sie dem Kundendienst oder dem Servicetechniker des Lieferanten.

Drei Prüfmethoden im Vergleich

MethodeWas wird gemessen?AufwandStärkeGrenze
Auslitern mit MesszylinderTatsächliche Fördermenge der PumpeEtwa 10 bis 15 MinutenDeckt Schlauchverschleiß und Luft aufSagt nichts über Konzentration im Tank
Titration mit TestsetAlkalität bzw. Konzentration im TankwasserEtwa 5 MinutenMisst, was beim Spülgut ankommtNur mit passendem Testset und Faktor sinnvoll
TeststreifenGrobe Alkalität oder pH1 MinuteSchnelle PlausibilitätsprüfungUngenau, nur grobe Einordnung
LeitfähigkeitsmessungLeitfähigkeit des Tankwassers in mS/cmEtwa 2 MinutenGut für Trend und RegelungenProduktspezifische Umrechnung nötig, Speisereste verfälschen

Auslitern Schritt für Schritt

  1. Vorbereiten. Schutzbrille und Handschuhe anziehen. Einen Messzylinder mit Skala in ml (z. B. 50 oder 100 ml) mit Reiniger bzw. Klarspüler füllen und Stand notieren.
  2. Lanze umsetzen. Sauglanze aus dem Kanister nehmen und in den Messzylinder stellen. Darauf achten, dass die Leitung luftfrei bleibt.
  3. Pumpe laufen lassen. Einen normalen Spülgang starten oder, falls vorhanden, die Testfunktion im Service-Menü nutzen. Bei Bedarf mehrere Spülgänge, damit die Menge gut ablesbar ist.
  4. Ablesen und rechnen. Differenz ablesen und durch die Zahl der Spülgänge bzw. Sekunden teilen. Ergebnis mit dem Sollwert vergleichen.
  5. Zurücksetzen. Lanze in den richtigen Kanister zurückstecken, Restmenge aus dem Zylinder in den passenden Kanister zurückgießen oder nach Sicherheitsdatenblatt entsorgen, Zylinder spülen.

Typischer Fall: Eingestellt sind 6 ml pro Spülgang. Nach 5 Spülgängen fehlen im Zylinder 22 ml, also 4,4 ml pro Spülgang. Die Pumpe fördert gut ein Viertel zu wenig. Ursache ist häufig ein ermüdeter Pumpenschlauch. Erst den Schlauch tauschen lassen, dann neu einstellen, nicht einfach die Laufzeit erhöhen.

Titration mit Testset

Für die Titration entnehmen Sie Tankwasser im laufenden Betrieb, nicht direkt nach dem Füllen. Die Testanleitung des Lieferanten gibt Probenmenge, Indikator und Umrechnungsfaktor vor. Typischer Ablauf: Probe abmessen, Indikator zugeben (die Probe färbt sich), Testlösung tropfenweise zugeben und schwenken, bis die Farbe umschlägt, Tropfen zählen und mit dem Faktor multiplizieren. Der Faktor gilt nur für das jeweilige Produkt.

Leitfähigkeit

Zuerst messen Sie das Frischwasser, dann das Tankwasser bei Betriebstemperatur oder mit temperaturkompensiertem Gerät. Die Differenz ist dem Reiniger zuzuordnen. Mit der Kennlinie des Herstellers (Leitfähigkeit über Konzentration) lässt sich die Konzentration abschätzen. Mehr unter Leitfähigkeit messen.

Spülsignal-Einschätzung: Prüfen Sie immer in dieser Reihenfolge: erst Auslitern (fördert die Pumpe?), dann Titration (kommt die Konzentration im Tank an?), dann Spülergebnis. Wer nur titriert, erkennt eine Unterdosierung, weiß aber nicht, ob Pumpe, Leitung oder Tankwasserwechsel schuld sind. Wer nur ausliert, sieht nicht, dass bei häufigem Tankwechsel oder starker Verschmutzung die Konzentration trotzdem einbricht. Erst beide Werte zusammen ergeben ein belastbares Bild.

Diagnose: Messwert passt nicht

BefundUrsacheMaßnahme
Auslitern zu niedrig, Titration zu niedrigPumpe fördert zu wenigSchlauch und Lanze prüfen, entlüften, Kundendienst
Auslitern korrekt, Titration zu niedrigHoher Eintrag von Speiseresten, Tankwasser zu alt, falsche ProbeVorabräumen verbessern, Tankwasser wechseln, Probe neu nehmen
Auslitern korrekt, Titration zu hochKlarspülmenge geringer als angenommenKlarspülmenge prüfen, Sollwert anpassen
Auslitern zu hochEinstellung falsch, Nachlaufen durch HeberwirkungEinstellung korrigieren, Kanisterposition prüfen
Werte stimmen, Ergebnis schlechtTemperatur, Düsen, Siebe, WasserhärteSiehe Spülergebnis-Probleme

Checkliste für die Dokumentation

  • Produktname und Sollkonzentration laut Merkblatt
  • Tankinhalt und Klarspülmenge laut Maschinendatenblatt
  • Eingestellter Wert (Laufzeit, ml oder mS/cm)
  • Ergebnis Auslitern mit Datum
  • Ergebnis Titration oder Leitfähigkeit mit Datum
  • Durchgeführte Änderungen und Grund

Eine solche Liste lässt sich gut in Ihr HACCP-Konzept einbinden.

Wann selbst, wann Kundendienst oder Lieferant?

  • Selbst: Sollwert berechnen, Füllstände und Leitungen prüfen, Auslitern und Titration nach Anleitung durchführen.
  • Selbst: Einstellung in der freigegebenen Bedienebene in kleinen Schritten ändern und dokumentieren.
  • Lieferant: Testset, Umrechnungsfaktor und Leitfähigkeitskennlinie für das konkrete Produkt anfordern, Produktwechsel begleiten lassen.
  • Kundendienst: Pumpenschläuche tauschen, Messzelle kalibrieren, Parameter in geschützten Service-Ebenen ändern.
  • Elektrofachkraft: alle Arbeiten an Anschlüssen und Netzspannung, etwa beim Nachrüsten externer Dosiergeräte.

Achtung: Proben aus dem Tank nur bei geöffneter, stehender Maschine entnehmen. Tankwasser ist heiß und chemiehaltig. Verwenden Sie eine Schöpfkelle oder Pipette, tragen Sie Schutzbrille und Handschuhe und lassen Sie die Probe vor der Titration etwas abkühlen, sofern die Testanleitung nichts anderes vorgibt.

Typische Denkfehler beim Einstellen

  • „Mehr hilft mehr“: Über den Herstellerwert hinaus verbessert sich das Ergebnis selten, Kosten und Materialbelastung steigen aber.
  • Nur nach Gefühl einstellen: Eine Änderung ohne Messung lässt sich später nicht nachvollziehen.
  • Tankinhalt mit Klarspülmenge verwechseln: Die Nachdosierung richtet sich nach der Klarspülmenge, nicht nach dem Tankinhalt. Wer mit dem Tankinhalt rechnet, dosiert ein Vielfaches zu viel.
  • Nach Produktwechsel alte Werte übernehmen: Konzentrationen und Dichten unterscheiden sich, jedes Produkt braucht eine eigene Einstellung.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich die Dosierung kontrollieren?

Eine kurze Sichtkontrolle von Füllstand und Leitungen gehört zum täglichen Anlauf. Eine Messung per Titration oder Auslitern ist in vielen Betrieben monatlich bis vierteljährlich sinnvoll sowie immer nach Produktwechsel, Wartung oder auffälligem Spülergebnis. Dokumentieren Sie die Werte, dann erkennen Sie Abweichungen früh.

Was ist eine Titration beim Spülmaschinenreiniger?

Sie geben eine definierte Menge Tankwasser in ein Gefäß, fügen einen Farbindikator zu und tropfen eine Testlösung hinzu, bis die Farbe umschlägt. Die Zahl der Tropfen multipliziert mit einem Faktor aus der Testanleitung ergibt die Konzentration. Testsets stellen meist die Chemielieferanten für ihr jeweiliges Produkt bereit.

Kann ich die Dosierung am Verbrauch der Kanister ablesen?

Grob ja. Teilen Sie den Verbrauch eines Zeitraums durch die Zahl der Spülgänge und vergleichen Sie mit dem rechnerischen Sollwert. Für eine genaue Einstellung ist das zu ungenau, aber große Abweichungen fallen so zuverlässig auf.

Warum stimmt meine Titration nicht mit der eingestellten Dosierung überein?

Mögliche Gründe sind verschlissene Pumpenschläuche, Luft in der Leitung, Probenahme direkt nach dem Füllen, Verschleppung von Speiseresten oder die falsche Testanleitung für das Produkt. Messen Sie unter gleichen Bedingungen erneut und prüfen Sie die Förderung durch Auslitern.

Muss ich nach einer Enthärtungsanlage die Dosierung ändern?

Oft ja. Weicheres Wasser braucht in vielen Fällen weniger Reiniger und weniger Klarspüler, und bei leitfähigkeitsgesteuerter Dosierung verschiebt sich der Grundwert des Wassers. Stimmen Sie die neue Einstellung mit dem Lieferanten ab und messen Sie nach.

Dieser Beitrag wurde nach unseren Redaktionsrichtlinien erstellt und geprüft. Er ersetzt nicht die Betriebsanleitung Ihrer Maschine und nicht den Fachbetrieb bei Arbeiten an Elektrik, Heizung oder Wasserinstallation. Änderungen dokumentieren wir unter Korrekturen und Aktualisierungen.

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